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Lukas Klünter: „Beim FC wirst du automatisch Fan“

3.4.2025

Für ihn ging es schnell nach oben: Lukas Klünter wechselte erst in der U19 zum 1. FC Köln, spielte sich durch starke Leistungen aber schnell in den Fokus der Profis. 2017 zog er im Team von Cheftrainer Peter Stöger als Tabellenfünfter in den Europapokal ein. Ein Jahr später wechselte er zu Hertha BSC. Im Interview mit fc.de spricht der mittlerweile in Mannheim spielende Verteidiger über seinen steilen Aufstieg und das Duell seiner beiden Ex-Clubs am Wochenende, gibt aber auch spannende Einblicke in eine ungewisse Zeit als vertragsloser Spieler.

Lukas, am Wochenende treffen mit dem FC und der Hertha BSC zwei Deiner ehemaligen Clubs aufeinander. Hat man diese Spiele auf dem Schirm oder geht das im Profi-Alltag unter?

Lukas Klünter: Sowas weiß man, gerade weil es zwei Topvereine in der 2. Liga sind und es ein geiles Spiel wird. Grundsätzlich schaue ich einige Spiele an, sowohl von Hertha als auch vom FC, weil ich zu beiden Vereinen noch Sympathien hege.

Du warst in Deiner Jugendzeit bereits FC-Fan. Wie stark verfolgst Du den FC heute noch?

Ich komme aus der Ecke und war auch schon vor meiner aktiven Zeit oft mit der Familie oder Freunden im RheinEnergieSTADION. Und wenn du beim FC spielst, wirst du automatisch Fan. Ich kenne niemanden, der hinterher gesagt hat, dass der Verein mit den Fans einem nichts zurückgibt.

Stimmt es, dass Du in der C-Jugend einmal eine Einladung zum Probetraining am Geißbockheim nicht wahrgenommen hast, weil Du dachtest, dass Du zu schlecht seist?

(lacht) Ich weiß nicht mehr genau, wie der Ablauf war. Auf jeden Fall hatte ich die Chance auf ein Training, da mein bester Freund, mit dem ich damals in einer Mannschaft spielte, für ein oder zwei Wochen beim FC mittrainierte. Ich weiß nicht wieso, aber ich war in dem Moment noch nicht bereit dazu. Später bin ich im älteren U19-Jahrgang ja doch noch beim FC gelandet. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und vielleicht war es für mich so genau der richtige.

Über die U19 und die U21 hast Du Dich zu den Profis hochgespielt. Wie war die Zeit damals für Dich?

Das war eine verrückte Zeit. Zu dem Zeitpunkt rechnet man nicht unbedingt damit, dass der Schritt noch möglich ist. Allein der Schritt in der U19 zum FC war für mich riesengroß. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ich durfte oben mittrainieren und wurde zum Wintertrainingslager von Peter Stöger mit nach Orlando genommen. Das kann ich alles erst jetzt im Nachhinein richtig einordnen. In dem Moment habe ich das gefeiert, konnte es aber nicht wirklich realisieren. Es ging sehr schnell nach oben und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Zeit gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden erleben durfte.

In Deiner ersten vollen Saison seid Ihr direkt in den Europapokal eingezogen. Kann man sich das wie einen wahrgewordenen Traum vorstellen?

Mein erster Einsatz gegen Hoffenheim lief nicht optimal. Daraufhin habe ich mir erstmal mehr Trainingszeit geholt, die auch wichtig war, um mich an das Niveau zu gewöhnen. Darauf folgte das Jahr, in dem wir richtig performt haben. Mein erstes Tor gegen Leverkusen und dann der Platzsturm gegen Mainz, nachdem wir es in die Europa League geschafft hatten. Für mich war das alles ein Bonus, weil ich nicht damit gerechnet habe, diese Momente erleben zu dürfen.

Plötzlich liefen in der Stadt viele Fans mit Klünter-Trikots rum. Hast Du das damals wahrgenommen?

Die Geschichte war für viele Fans sicher cool. Ich war eine Art Quereinsteiger und habe dazu noch gute Leistungen gezeigt. Das kam bei den Leuten anscheinend gut an. Ich hatte in dem Moment einiges zu verarbeiten, deswegen habe ich das mit den Trikots vielleicht nicht ganz so stark wahrgenommen.

In der Liga fandet Ihr Euch in der nächsten Saison im Abstiegskampf wieder. Durch viele Ausfälle stiegst Du dabei schnell zu einer wichtigen Kraft auf. Wie bist Du damit umgegangen?

Ich würde sagen, dass du da über die Einsätze reinwächst. Wir hatten damals sehr große Verletzungssorgen, sodass ich teilweise im Sturm aufgestellt wurde (lacht). Meiner Entwicklung hat das aber nicht geschadet. Auch wenn es keine optimale Saison war, habe ich viel gespielt und konnte einiges mitnehmen.

Nach dem Abstieg bist Du zur Hertha weitergezogen. War es ein schwerer Abschied?

Der Abschied war sicherlich nicht leicht. Als ich das Angebot aus Berlin vorliegen hatte, war ich natürlich sehr glücklich, weil mich diese Herausforderung gereizt hat. Das erste Mal raus aus der Komfortzone zu gehen, war ein wichtiger Schritt für mich. In Berlin habe ich mich auch persönlich nochmal weiterentwickelt. Deshalb bin ich sehr froh, wie es gekommen ist, auch wenn ich es mir durchaus hätte vorstellen können, mit dem FC in die zweite Liga zu gehen. Mit meinem Hintergrund hätte ich niemals gesagt, dass ich unbedingt in der Bundesliga bleiben muss.

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Der Einstieg von Lars Windhorst, die Rettung in der Relegation – Du hast in Berlin einiges erlebt. Wie blickst Du auf die vier Jahre zurück?

Sie waren auf jeden Fall turbulent. Wenn ich es hochrechne, hatte ich über meine Karriere circa 14 oder 15 Trainer, davon eine Vielzahl in Berlin. Durch die Trainerwechsel kam natürlich Unruhe auf, dazu kamen der Einstieg des Investors und die Corona-Pandemie. Trotzdem war es eine geile Zeit, die alles in allem zu schnell vorbeiging. Sportlich hatte ich gute wie auch nicht so gute Zeiten. Gerade in der letzten Saison hatte ich mit einer Schulterverletzung zu kämpfen. Das war in meinem letzten Vertragsjahr nicht gerade optimal.

Danach folgte eine ungewisse Zeit: Als gestandener Bundesligaprofi bist Du zu Bielefeld in die zweite Liga gewechselt. Anschließend warst Du länger vereinslos. Wie fordernd war diese Zeit?

Das war komisch für mich, weil du dir denkst, dass mit den Erfahrungen, die du in den Jahren gesammelt hast, schon die ein oder andere passende Tür aufgeht. Vielleicht habe ich dann etwas zu lange gewartet, aber es wurde erstmal ruhig. Dann kam die Arminia und es passte sofort. Vor allem, weil ich dort unter anderem meine Freundin kennengelernt habe. Das war ein Goldgriff für mich. Auch in Bielefeld hatte ich eine schöne Zeit, auch wenn es mit dem Abstieg mit der Arminia am Ende nicht einfach war. Ich hatte danach einige exotische Angebote aus dem Ausland vorliegen. Dafür habe ich mich aber noch nicht bereit gefühlt. Ich habe selbstverständlich mitbekommen, dass die Kader der Teams immer voller wurden. Glücklicherweise konnte ich mich dann in der U21 des FC fit halten und bin dann am Ende des Transferfensters im Winter den Schritt nach Mannheim in die dritte Liga gegangen.

Hättest Du rückblickend lieber stetig auf einem Niveau gespielt oder machen diese Auf und Abs genau den Reiz des Geschäfts aus?

Keine Frage, am liebsten hätte ich meine ganze Karriere in der ersten Liga gespielt. Es hat aber auch was, wenn man alles mitnimmt, was so kommt und das Beste aus den Situationen macht. So steil der Weg am Anfang nach oben ging, so schnell ging es dann eben in die andere Richtung. Ich sehe mich aber noch nicht am Ende. Ich will noch einiges erreichen. Wer weiß, wo die Achterbahn noch alles langfährt.

Du hast schon zu Deiner Zeit beim FC studiert. War es gerade in der Zeit gut einen Plan B zu haben?

Nebenbei etwas zu tun, war immer mein Anspruch. Beim FC habe ich schnell angefangen zu studieren und bin teilweise zwischen den Trainingseinheiten zur Uni gefahren. Das musste ich nach einem Jahr erstmal etwas runterfahren, weil es zu viel war (lacht). In Berlin konnte ich das Studium aufgrund der Präsenzpflicht erstmal nicht fortsetzen. Mittlerweile versuche ich mich auf anderen Wegen weiterzubilden, die nicht nur an einen Ort gebunden sind.

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Du hast Deinen Wechsel nach Mannheim schon angesprochen. Wie läuft die Saison für Dich?

Wir sind leider nicht so gut in die Spielzeit gestartet und konnten nicht an das starke Ende der letzten Saison anknüpfen. Mittlerweile haben wir uns gut gefangen und sind in einer besseren Situation, da wir alles in der eigenen Hand haben. Unten ist es weiterhin sehr eng, da kommt es jetzt auf jeden Spieltag an. Den Abstiegskampf kenne ich aber schon recht gut. Bis auf die Saison beim FC, die wir auf dem fünften Platz beendeten, habe ich die Jahre meist in den unteren Tabellenregionen verbracht (lacht). Mit meiner persönlichen Saison bin ich sehr zufrieden. Ich bin verletzungsfrei und habe alle Spiele absolviert. Dabei kann ich die Mannschaft als Führungsspieler und Innenverteidiger, auch durch all meine Erfahrungen, unterstützen und hoffentlich besser machen.

Kommen wir abschließend nochmal zur Partie am Samstag zurück. Was erwartest Du für ein Spiel und was ist Dein Tipp?

Die Hertha hat sich in den letzten zwei Spielen gefangen, nachdem sie zuvor ein wenig gestolpert sind. Nichtsdestotrotz haben sie eine starke Mannschaft mit vielen starken Einzelspielern. Der FC ist konstant auf einem sehr hohen Niveau unterwegs. Sie machen keine Überdinge, aber spielen sehr ordentlichen Fußball. Das wird auch am Wochenende zum Erfolg führen. Ich tippe auf ein 2:1 für den FC.