Weinen, lachen, feiern! Regelmäßig ermöglicht die FC-Stiftung, dass sterbenskranke FC-Fans ein letztes Heimspiel besuchen können. Es sind hochemotionale Momente, nicht nur für die kranken Menschen. Das GeißbockEcho hat das Projekt beim Heimspiel gegen den Hamburger SV begleitet.
Im Rollstuhl wird Frank Schubert ins RheinEnergieSTADION gefahren. Wie früher begleitet ihn seine Tochter Jaqueline Käfer zum Heimspiel. Schon als Kind nahm er sie mit nach Müngersdorf. Damals hielt er ihre Hand, heute schiebt sie ihn auf seinen Platz. Lange haben die beiden diesem Tag entgegengefiebert. Als die Spieler den Platz betreten, um sich aufzuwärmen, fängt Schubert an zu weinen. Es sind Tränen des Glücks. Niemals hätte er gedacht, seinem FC nochmal im Stadion zuschauen zu können.
Das Schicksal hat es mit Frank Schubert nicht gut gemeint. Vor wenigen Monaten wurde bei ihm ein kleinzelliges Lungenkarzinom diagnostiziert. Der Krebs streute schnell, eine Chemotherapie brach er ab, da er immer schwächer wurde. Weil Schubert wenig Zeit verbleibt, fragte ihn seine Pflegerin, ob er einen Wunsch hätte. „Einmal noch zum FC, das wäre es“, antwortete er. Daraufhin schrieb Jaqueline Käfer den ASB-Wünschewagen an. Rasch erhielt man eine Antwort: Gegen den HSV geht es ins Stadion. In der Nacht vor dem Spiel sah es plötzlich aus, als würde es Schubert nicht schaffen. Sein Zustand hatte sich rapide verschlechtert. Die Pflegenden taten alles, um ihn fit zu bekommen und wie durch ein Wunder ging es ihm am nächsten Morgen besser – das Heimspiel wollte er einfach nicht verpassen.
Der Wünschewagen hatte Vater und Tochter am Morgen des Spieltags abgeholt. Mit zwei Pflegern an Bord ging es in Richtung Stadion. Bereits am Parkplatz wurden sie von der FC-Stiftung empfangen. Tanja Reinisch, die sich um das Projekt kümmert, begleitete Vater und Tochter bis auf ihre Plätze und übergab ihnen ein Trikot. „Unser Ziel ist es, sterbenskranken Menschen ihre letzten Wünsche zu erfüllen“, erklärt Reinisch. Neben Stadionbesuchen arrangiert die FC-Stiftung auch Treffen mit Spielern oder sendet signierte Trikots und Grußbotschaften an Menschen, die nicht mehr viel Zeit haben.
Eines der Hauptziele ist es, FC-Momente zu schaffen. Dafür arbeitet die FC-Stiftung eng mit externen Institutionen – wie den Wünschewägen – zusammen. Sie nutzt das FC-Netzwerk, um die verschiedenen Wünsche zu erfüllen. In einem Jahr betreut die FC-Stiftung rund 30 letzte Wünsche. Bei den meisten davon war Tanja Reinisch dabei. Keine leichte Aufgabe für die 25-Jährige: „Ich kann damit gut umgehen. Es ist mir wichtig, dass die Menschen im Stadion den schönst möglichen Tag erleben“, sagt sie. „Einmal habe ich einen Vater und seine Tochter begleitet. Sie waren im selben Alter wie mein Papa und ich. Das ging mir sehr nah. Ich denke immer wieder darüber nach.“