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Derby oder kein Derby? Das ist hier die Frage
Die Frage bewegt die Fangemüter, die Frage lässt Emotionen aufkommen. Ist es ein Derby, wenn der 1. FC Köln am kommenden Samstag (15.30 Uhr) Bayer 04 Leverkusen empfängt? Dabei ist die Sache doch ganz klar! Oder?
Werfen wir einen Blick in den Duden, der hat bekanntlich immer Recht. Und dort steht geschrieben:
Derby, das: sportliches Spiel von besonderem Interesse, besonders zwischen Mannschaften aus der gleichen Region
Sportliches Spiel? Haben wir! Besonderes Interesse? Haben wir! Zwei Mannschaften aus der gleichen Region? Haben wir!
Es ist ein Derby – keine Frage!
Doch ein Derby braucht Historie. Man kann ja auch nicht unzählige Derby-Gegner haben. Der FC hat schon gegen Gladbach und Düsseldorf gespielt, da war Leverkusen den meisten außerhalb der Bayer-Zentrale noch gar kein Begriff. Im September 1979 kam es zum ersten Bundesliga-Duell, da hatte der FC schon drei Meisterschaften und drei Pokalsiege eingefahren. Mit Gladbach duellierte sich der FC schon ab Anfang der 50er-Jahre in der Oberliga und ab 1965 in der Bundesliga. Bis 1979 waren schon 28 Bundesliga-Spiele gegen die Borussia gespielt. Ähnlich sieht es gegen die Fortuna aus. Ohne große Historie kein Derby.
Es ist kein Derby – keine Frage!
Ein Derby braucht Rivalität und Abneigung, auch zwischen den Fanlagern. Das ist definitiv gegeben. Für die Bayer-Fans ist der FC ohnehin der große Rivale, der große Nachbar, die Millionenstadt, einer der mitgliederstärksten Vereine der Welt. Verständlich, dass man da neidisch über den Rhein blickt. Und auch für die FC-Fans hat die Rivalität über die Jahre zugenommen. Nach dem Spiel auf St. Pauli wurde die Mannschaft bereits auf das besondere Duell eingeschworen, es gibt in Ultra-Kreisen die „Gruppe Anti Lev“, vor zwei Saisons auch eine entsprechende große Choreo. Kurz vor dem Meistertitel 2023 nutzten die FC-Fans noch einmal die letzte Möglichkeit, um im Stadion den über Jahrzehnte gängigen Gesang anzustimmen: „Ihr werdet nie Deutscher Meister!“
Es ist ein Derby – keine Frage!
Der 1. FC Köln ist mitgliederzentriert – und stolz darauf! Über 160.000 Mitglieder zählt der FC. Das RheinEnergieSTADION? Immer restlos ausverkauft! Der Auswärtssupport? Unfassbar! Ein Verein misst sich in Derbys nur mit anderen Vereinen. Und das ist Leverkusen, hochgepusht durch die Bayer-Millionen, ganz sicher nicht. Fanzulauf erst wenn Erfolg da ist, leere Ränge in schwierigeren Zeiten. Manche würden sagen, dass beim FC im Abstiegsfall mehr Stimmung herrscht als auf der Leverkusener Meisterfeier. Gegen einen Werksclub spielen wir kein Derby!
Es ist kein Derby – keine Frage!
Das Saisonende 2023/24 schmerzt noch heute jeden FC-Fan. Während der FC den bitteren Gang in die 2. Liga antreten muss, holt sich der Nachbar seine erste Deutsche Meisterschaft. Eine fantastische Mannschaft mit einem FC-Eigengewächs in zentraler Position, dazu ein spanischer Wundertrainer an der Seitenlinie. Die Videos von der Meisterfeier? Lassen die Ekstase, die nach so einem Moment bestimmt und ganz sicher geherrscht haben muss, maximal erahnen. Der Schmerz bei den FC-Anhängern dafür umso größer, manchen geht es eine ganze Woche lang schlecht. Ein Schmerz, den man nur bei echter Abneigung und Rivalität spürt.
Es ist ein Derby – keine Frage!
Und dann sind da die sportlichen Erfolge in Gänze und ihr Zustandekommen. Der 1. FC Köln, der erste Deutsche Meister der Bundesliga. Große Historie, große Namen, viele Legenden. Drei Meisterschaften, vier Pokalsiege. Der FC war mal eine der größten Nummern im deutschen und internationalen Fußball. Alles erarbeitet. Mit der Kommerzialisierung des Fußballs kamen auch andere Clubs nach oben, erkauften sich den Erfolg. Bei Bayer 04 verrät diesen Weg schon der Clubname. Dass man damit Erfolg hat, in den jüngsten Jahrzehnten deutlich mehr als der FC, dass man auch einmal einen Titel holt? Geschenkt. Ehrliche Arbeit sieht anders aus. Bei den Profis wie an der Basis. Der FC bildet seine Talente in der FC-Akademie aus, Bayer „klaut“ die späteren Weltstars. Tradition gegen Kommerz.
Es ist kein Derby – keine Frage!
Und wie sieht es aus Spielersicht aus? Für FC-Legende Jonas Hector fällt die Antwort eindeutig aus: „Nachbarschaftsduell“! Dirk Lottner ist irgendwo dazwischen: „Es ist ein Derby, aber ein kleines, nicht so wichtig wie gegen Mönchengladbach.“ Er hat für beide Clubs gespielt, beim ersten Abstieg des FC 1998 sogar gegen den FC getroffen. „Aber ich bin Kölner, habe länger beim FC gespielt. Der FC bedeutet mir deutlich mehr.“
Dominic Maroh, 2015 mit seinem Doppelpack in Leverkusen der Held, sagt: „Diese Spiele hatten für mich immer einen besonderen Derbycharakter. Ich habe in der Woche vor den Spielen im Verein und in der Stadt eine besondere Stimmung wahrgenommen.“ Er werde noch heute auf seinen Doppelpack angesprochen. „Es ist einfach schön, wenn du damit in Verbindung gebracht wirst.“ Maroh wird am Samstag auch im Stadion sein und freut sich, das Duell als Fan zu verfolgen: „Ich drücke dem FC ganz fest die Daumen und wünsche dem Verein und der Mannschaft, dass es ein geiles und erfolgreiches Spiel wird.“
Es gibt unterschiedliche Sichtweisen, was das Duell FC gegen Leverkusen ist. Fassen wir zusammen: Gewinnen wir am Samstag, dann ist es ein Derby. Zumindest ein kleines.
