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Sbonias: „Ich liebe und lebe diesen Job jeden Tag 24 Stunden“

22.5.2026

Am vergangenen Wochenende ist eine besonders herausfordernde Spielzeit für die U21 des 1. FC Köln zu Ende gegangen. Nie gab es einen größeren Umbruch und eine so junge Mannschaft. Trotz aller Umstände stehen am Ende eine solide Platzierung und zahlreiche Erfolge in der Ausbildung von FC-Talenten zu Buche. Im Interview mit fc.de blickt Evangelos Sbonias, auch ‘Laki‘ genannt, als U21-Trainer auf drei Jahre 1. FC Köln und sein 100. Spiel zurück, spricht über die tägliche Detailarbeit in der Ausbildung, die Zusammenarbeit in der FC-Akademie und die Vorfreude auf das vierte Jahr am Geißbockheim.

Laki, Deine dritte Saison beim FC ist mit dem vergangenen Wochenende zu Ende gegangen. Würdest Du sagen, Du bist mittlerweile FC durch und durch?

Evangelos Sbonias: Auf jeden Fall. Je länger man hier ist, desto mehr wächst man mit den Menschen, den Mitarbeitern und dem Verein zusammen. Meine Kinder kennen alle FC Lieder und das Franz-Kremer-Stadion wie ihre Westentasche. Von daher passt der Satz!

War das vielleicht das herausforderndste Jahr bei Euch in der U21?

Ganz klares Ja! Der Umbruch war enorm. Wir hatten eine komplett neue Mannschaft, haben uns in der Ausrichtung nochmals verjüngt und hatten teilweise fünf U19-Spielern in der Startelf. Die Regionalliga ist für so eine junge Mannschaft extrem anspruchsvoll. Hinzu kam der durch den Umbruch erklärbar schlechte Saisonstart mit den ersten fünf Spielen, das war schon herausfordernd. Vor allem, weil verlieren so gar nicht mein Ding ist.

Beim FC ist die U21 nicht nur auf dem Papier eine U21. Diese Ausrichtung spiegelt sich fast jeden Spieltag in der Aufstellung wider. Wie schwierig ist es unter diesen Umständen wirklich, in der Liga mitzuhalten?

Unsere Ausrichtung ist klar Entwicklung vor Ergebnissen, auch in der Regionalliga West. Dieses Jahr waren wir beim Durchschnittsalter der Startaufstellung oft eine echte U21, teilweise sogar eine U19+. Da muss man schwierige Phasen aushalten und Fehler zulassen. Umso mehr Respekt habe ich vor der Leistung meiner Mannschaft und meinem Trainerteam. Wir hatten wieder nichts mit dem Abstieg zu tun und waren vor der Winterpause phasenweise sogar dran, oben anzudocken. Das alles geht nur über sehr viel Detail- und Individualarbeit. Der Staff arbeitet permanent daran, dass die Jungs in der Liga ankommen und im besten Fall perspektivisch ein Thema für die Lizenz werden. Das ist anspruchsvoll, dieses Jahr noch mal mehr als zuvor.

Was versprecht Ihr Euch von der weiteren Verjüngung, was ist das Ziel dieser Ausrichtung?

Wir wollen talentierte Spieler so schnell wie möglich an den Herrenfußball heranführen. Da gibt es beispielsweise Intensitäts- und Zweikampflücken, die wir schließen müssen. Die Jungs sollen frühstmöglich im Herrenfußball spielen, ohne ihre Stärken zu verlieren. Unser Ansatz ist dabei klar: Wir setzen auf ihre fußballerischen Stärken und entwickeln sie weiter. Gleichzeitig müssen sie lernen, Männerfußball zu spielen. Wie schnell das geht, ist sehr individuell und manchmal ist es auch der richtige Schritt, ein halbes Jahr länger U19 zu spielen. Das ist ein schmaler Grat, jeden Tag. Insgesamt ist uns das in den letzten drei Jahren sehr, sehr gut gelungen.

Die Saison war – wie du während der Spielzeit oft gesagt hast – von erklärbaren Auf und Abs gezeichnet. Wie behält man da als Trainerteam die Ruhe und hält eine U21-Mannschaft zusammen, in der so viele individuelle Schicksale wie in keiner anderen Mannschaft aufeinandertreffen?

Das ist der entscheidende Punkt. Solange die Dinge fußballerisch erklärbar und herleitbar sind, werde ich nicht unruhig und verlasse meinen Weg nicht. Das war diese Saison so, deshalb konnten wir ruhig weiterarbeiten und unsere Aufgaben erledigen. Das gebe ich auch so an den Staff weiter. Durch unsere Erfahrung sind wir darauf vorbereitet, dass schwierige Phasen kommen. Wir können diese sogar antizipieren. Es geht viel um Detailarbeit und wir haben Pläne für verschiedene Szenarien. Das hat uns geholfen, diese Phasen sauber zu durchlaufen, ohne in Abstiegsgefahr zu geraten.

Insgesamt kamen bei Euch acht Spieler regelmäßig zum Einsatz, die noch U19 spielen könnten. Gleichzeitig waren viele U21-Spieler oben bei den Profis im Trainingslager und auch regelmäßig in Einheiten gefragt. Mit Cenny Neumann, Fynn Schenten und Youssoupha Niang gaben drei Jungs ihr Profidebüt. Was sagt das über die Zusammenarbeit in der FC-Akademie aus?

Das ist immer nur im Gesamtkontext zu sehen. Es ist ein Zusammenspiel und unsere große Stärke, dass alle U-Mannschaften und Akademietrainer Hand in Hand arbeiten und das als Gemeinschaftsprojekt verstehen, Spieler in den Mittelpunkt zu stellen und weiterzuentwickeln. Solche Geschichten entstehen nicht punktuell und nicht durch die Arbeit eines Einzelnen, sondern durch Detailarbeit vieler Hände und über viele Jahrgänge hinweg. Jeder Trainer bringt seine Facetten und Stärken ein und genau daraus entstehen diese Ergebnisse. Bei allem Trainer-Ehrgeiz stellen wir die Sache in den Vordergrund. Am Ende geht es darum, wie wir Spieler entwickeln. Das ist vorbildhaft, wie wir das gemeinsam machen.

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Genau mit dem 34. Spieltag hast Du Dein 100. Spiel für den FC gecoacht. Ein großer Meilenstein. Wie besonders ist das für Dich?

Sehr besonders. Ich würde lügen, wenn ich sage, das macht nichts mit mir. Ich wurde im Vorfeld darauf hingewiesen und hatte es selbst gar nicht auf dem Schirm. Es ist nicht selbstverständlich, bei so einem Traditionsverein wie dem 1. FC Köln als U21-Trainer 100 Spiele zu machen. Die Zeit ist rasant vorbeigegangen, weil jeden Tag Bewegung und Herausforderungen auf einen warten. Da schwingt viel Stolz mit. Es gab viel Resonanz aus dem Umfeld, da merkt man, dass das nicht alltäglich ist.

Was war Dein bestes FC-Erlebnis in den drei Jahren?

Da muss ich überlegen. Es gab viele tolle Ereignisse oder Spiele. Für mich ist es aber immer das beste Gefühl, wenn ein Akademiespieler bei den Profis debütiert. Dann sieht man in einem Moment die Arbeit, die wir jeden Tag reinstecken. Das sind diese besonderen Momente, nicht nur ein einzelner.

Und was war Dein schlimmstes FC-Erlebnis?

Der Abstieg der Profis im Sommer 2024. Am Ende des Tages sind wir ein Verein und wir arbeiten im Übergangsbereich sehr eng mit der Profiabteilung zusammen. Ich verstehe meine Aufgabe als Dienstleister der Lizenzmannschaft und da entsprechend zuzuarbeiten. Und wenn die Lizenzmannschaft Erfolg hat, dann haben wir auch Erfolg. Und wenn es der Lizenzmannschaft gut geht, dann geht es uns auch gut. Das gilt nicht nur in der U21, sondern im ganzen Verein.

Nun steht die Sommerpause an. Wie viel Urlaub wirst Du machen können?

Mit Urlaub ist es auf dem Niveau immer schwierig, aber ein paar Tage werden möglich sein. Ich möchte aber auch involviert bleiben, ich lebe und liebe diesen Beruf 24 Stunden am Tag. Das ist meine absolute Leidenschaft und deswegen kann ich auch gar nicht anders. Ein bisschen werde ich aber mit meiner Familie abschalten.

Steht wieder ein Umbruch bevor?

Stand jetzt ja. Das ist aber auch geplant und normal bei einer U21. Es entstehen natürliche Umwälzungsprozesse. Jungs wachsen aus der Regionalliga heraus und gehen zu unserer Lizenz über. Andere entwachsen der U21 und suchen ihre nächste Herausforderung woanders. Für wieder andere suchen wir Leihen. Gleichzeitig stoßen fünf, sechs Spieler aus der U19 dazu, die Mannschaft bekommt wieder ein anderes Gesicht. Ein ganz so großer Umbruch wie vergangenen Sommer wird es aber nicht.

Wie groß ist die Vorfreude auf das vierte Jahr beim FC?

Am Ende der Saison ist man froh, kurz durchzuatmen. Aber wenn die Batterien wieder geladen sind, kommt diese Vorfreude schnell zurück. Aber wenn Du mich so fragst, dann ploppt ein Bild auf, wie ich nach dem Urlaub in die Franz-Kremer-Allee reinfahre und dann von Weitem das Geißbockheim sehe. Da freue ich mich dann schon drauf, die Arbeit mit den Jungs wieder aufzunehmen.