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Schmied: „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“
Ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Joel Schmied startete die Saison als unumstrittener Stammspieler, ehe ihn zwei Verletzungen bremsten. Im vergangenen Heimspiel stand er erstmals seit mehreren Monaten wieder in der Startelf. Im Interview mit fc.de blickt der 27-jährige Schweizer auf die Spielzeit zurück, spricht über Rückschläge und verrät, wie er sich einen Kindheitstraum erfüllen konnte.
Hallo Joel, Du hast am Wochenende Dein Startelf-Comeback gegeben. Wie war es für Dich, wieder auf dem Platz zu stehen?
Joel Schmied: Es war unglaublich schön, aber auch unglaublich anstrengend (lacht). Ein Spiel kann man im Training einfach nicht simulieren. Dazu war es auch noch sehr warm. Trotzdem war es ein unglaublich schönes Gefühl. Drei Monate waren eine lange Zeit. In der Rückrunde hatte ich einige Rückschläge, das gehört leider zum Fußball dazu. Es war dann bitter, wie das Spiel gelaufen ist. Speziell weil es das letzte Heimspiel von Kainzi, Heintzi und Kili war. Es wäre schön gewesen, wenn wir die Jungs und die Fans mit einem Erfolg aus der Saison verabschiedet hätten. Das ist uns leider nicht geglückt.
Hat man im ersten Spiel nach einer Verletzung Angst, dass es wieder passieren könnte?
Bei mir war es nochmal anders, weil ich mich zweimal direkt hintereinander verletzt hatte. Da ist man anfangs schon mit einer gewissen Vorsicht dabei. Nach zwei, drei Minuten ist der Puls aber wieder bei 180 und die Emotionen so hoch, dass man das wieder vergisst. Es war gut, dass ich nur 70 Minuten gespielt habe. Der Körper muss sich an die Belastung erst wieder gewöhnen.
Warum lief das Spiel nicht so, wie Ihr Euch das vorgestellt habt?
Ich glaube, dass das weniger mit uns und mehr mit dem Gegner zu tun hatte. Heidenheim hat in den letzten Wochen immer gepunktet. Selbst gegen Bayern waren sie dem Sieg nahe. Das spricht für ihre Qualität. Ich finde es ein Stück weit respektlos gegenüber Heidenheim, wenn man sagt: ‚Jetzt haben wir gegen die verloren, wie können wir die nicht weghauen.‘ Das ist auch ein Bundesligist, bei dem es um alles ging. Sie haben sich in jeden Ball geschmissen. Bei uns hat in den Situationen ein Prozent gefehlt, was menschlich ist, wenn man einen Tag vorher den Klassenerhalt sicher hat. Für den Fan ist das unverständlich, das kann ich verstehen. Leider ist das nicht die Realität. Jetzt wollen wir in München nochmal alles reinwerfen. Da sind wir der Underdog, diese Rolle liegt uns ganz gut.

Deine Saison ist durch die Verletzungen nicht optimal verlaufen. Trotzdem hattest Du in der Hinrunde auch eine richtig gute Phase. Wie blickst Du auf Dein Jahr zurück?
Im Großen und Ganzen sehr positiv. Ich durfte mein Bundesligadebüt feiern. Da ist ein Bubentraum für mich in Erfüllung gegangen. Das war ein unglaublich schönes Gefühl. Ich darf jetzt in den geilsten Stadien Europas spielen. Das ist ein großes Privileg. Ich bin über jede Minute glücklich, die ich auf dem Platz stand und sehr dankbar, dass ich diesen Bubentraum erleben darf.
Kann man den Traum als Spieler genießen?
Man genießt es teilweise, aber nicht so extrem, wie man sollte. Ich hatte diese Woche ein Gespräch mit Sinke, in dem er meinte: ‚Junge, genieß jeden Tag. Wenn Du eines Tages durch bist, weißt Du erst, was Du gehabt hast.‘ Es ist nicht selbstverständlich, jede Woche vor 50.000 Zuschauern zu spielen. Ich genieße das schon mehr als andere Spieler, aber immer noch nicht genug.
Was waren Deine Highlights in dieser Saison?
Mein erstes Spiel in der Bundesliga in Mainz. Wir sind direkt mit einem Sieg gestartet. Das Siegtor in der letzten Minute war sehr emotional. Die Euphorie in der Stadt und im Verein war einfach richtig cool. Das Pokalspiel gegen Bayern wäre meine zweite Wahl, obwohl wir das verloren haben. Die Hütte hat gebrannt, die Stimmung war unbeschreiblich. Es war mein erstes Spiel gegen Spieler wie Harry Kane oder Michael Olise, das war schon ein Highlight.

Du warst unumstrittener Stammspieler, bis die Verletzung dazwischenkam. Was denkt man sich in dem Moment?
Das ist unheimlich frustrierend. Ich hatte zwei, drei Momente, in denen ich emotional am Boden war. Das gehört leider auch dazu. Ich habe das Privileg, ein tolles Umfeld zu haben. Zusätzlich geben dir die Athletiktrainer das Gefühl, dass es direkt wieder voran geht. Als ich mich nach zwei Einsätzen dann wieder verletzt habe, hat mich das echt mitgenommen. Eigentlich bin ich ein sehr positiver Mensch. Trotzdem gibt es diese Momente, das kann man nicht steuern. Umso schöner ist es, dass ich jetzt wieder fit bin.
Wie gehst Du mit diesen Rückschlägen um? Willst Du dann lieber allein sein oder brauchst Du Menschen um Dich herum?
Nach meinen Verletzungen hatten wir beide Male Besuch aus der Schweiz da. Da ist es schwierig, allein zu sein, wenn die Hütte voll ist (lacht). Meine Stimmung war in den ersten beiden Tagen nicht so gut. Da bin ich auch eher ruhig. In der ersten Phase darfst du erstmal fünf Tage nichts machen. Diese Tage gehen nicht um, die sind der Horror. Da bin ich am liebsten allein. Danach fängt man mit der Therapie an und ist tagtäglich hier bei den Physios, die immer einen dummen Spruch auf Lager haben. Dann ist es fast wieder normal.
Durch die beiden Verletzungen hattest Du einen anderen Blick auf die Mannschaft. Wie hast Du die Leistungen gesehen?
Ich habe auf der Tribüne fast mehr Kalorien verbrannt als auf dem Feld (lacht). Wenn ich keinen Einfluss auf das Spiel habe, bin ich richtig nervös. Ich bin 90 Minuten nicht ansprechbar, meine Freundin freut sich wahrscheinlich, dass ich jetzt nicht mehr neben ihr sitze (lacht). Die Rückrunde war an vielen Stellen unglücklich. Wir haben gut gespielt, aber keine Punkte geholt – das hat sich durch unser Jahr gezogen. Auf der anderen Seite haben wir auch nach Rückständen oft zurückgeschlagen. Das spricht für die Mentalität der Mannschaft. Unterm Strich haben wir den Klassenerhalt erreicht und das war das oberste Ziel.

Die engen Spiele ziehen. Ist das der nächste Schritt, den man in der nächsten Saison gehen muss?
Genau, das ist ein Reifeprozess. Umso länger man in der Bundesliga spielt, desto selbstverständlicher wird es. Der FC ist ein großer Verein, trotzdem war es die erste Saison nach dem Aufstieg. Wir wollen uns von Jahr zu Jahr weiterentwickeln. Wenn wir diese Spiele ziehen, landen wir im gesicherten Mittelfeld.
Du hast Deinen Traum von der Bundesliga schon angesprochen. Zum Abschluss geht’s am Samstag in die Allianz Arena. Ist das nochmal ein besonderer Ort?
Auf jeden Fall! Die Allianz Arena und der FC Bayern machen Eindruck. Sie sind momentan mit PSG das beste Team Europas. Irgendwann würde ich mit dem FC auch mal gerne die Schale hochhalten und nicht nur zuschauen und applaudieren (lacht). Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber wir schauen uns das am Samstag schon mal an (lacht).
In den beiden Spielen gegen die Bayern gab es zwei gute Leistungen. Wo setzt man da an? Wie macht man ihnen das Leben schwer?
Da muss man am besten René fragen. Ich versuche umzusetzen, was das Trainerteam vorgibt. Die Bayern sind individuell so gut, da ist es fast egal, was man macht. Sie sind auf alles vorbereitet. Wir müssen jeden Zweikampf annehmen, wie es Heidenheim gegen uns gemacht hat. Wir müssen über den Kampf kommen und defensiv gemeinsam arbeiten. Vielleicht gehen wir ja wie im Pokalspiel mit einem Standard in Führung. Wir müssen es genießen zu leiden und dann können wir uns hoffentlich über Punkte zum Abschluss freuen.
